Kopfkino 1:

Die eigenen Eltern hatten mindestens einmal – nämlich bei der eigenen Zeugung – Sex. Das ist soweit klar. Auch mit dem Akt an sich kann man als „Kind“ leben, wenn man bedenkt, dass die beiden damals ja noch „total“ jung waren.

Kopfkino 2:

Die eigenen Eltern reden offen über ihr aktives Sexualleben. Jetzt wird es schwieriger. Die Einen sind offen genug, das zu akzeptieren und Sex als natürlichen Ausdruck der gegenseitigen Liebe und Achtung zu sehen. Die Anderen …?

Kopfkino 3:

Die Großeltern erzählen, dass Mutter oder Vater während der Flitterwochen an einem romantischen Ort gezeugt wurden. Nach dem ersten Schock wird einem klar, beide waren ja auch einmal jung. Junge Menschen dürfen Sex haben. Außerdem sind die beiden jetzt so alt, dass sie nun nur noch ihre Erinnerungen haben.

Kopfkino 4:

Morgens in der Küche haut Opa der Oma spielerisch auf ihren Allerwertesten und macht eine anzügliche Bemerkung zu den vorangegangen nächtlichen Aktivitäten. Spätestens jetzt rufen viele: „Aufhören, das ist ja eklig.“

Kopfkino 5:

Opa ist im Altersheim. Bei einem Besuch erzählt er von einer Bewohnerin, die ihm ausnehmend gut gefällt und sexuellen Avancen nicht abgeneigt ist. Vielleicht berichtet er sogar von einem gemeinsamen Schäferstündchen, als er sich in ihr Zimmer geschlichen hatte. „Ja klar“, denken jetzt viele, „was kann da schon groß passiert sein? Wahrscheinlich haben die was gekuschelt und geküsst.“

Warum eigentlich? Je nach Alter und Neigung gibt es für viele Menschen einen bestimmten Typ, der sexuelle Neugierde oder Erregung auslösen kann. Alten Menschen wiederum wird das verweigert. Wer möchte sich schon hängende und schlaffe Oberweiten bei einer Frau oder einen verrunzelten Penis eines Mannes vorstellen? Die Natur ist da – dem Himmel sei Dank – schlauer als wir Menschen. Auch ältere oder alte Männer und Frauen haben lustvolle Phantasien und wollen diese ausleben. Sex ist ein natürlicher Drang, der bei Männern erst sehr spät – ca. ab 80 Jahre – stärker nachlässt. Frauen sind im Alter häufig aktiver, als in ihren Dreißigern bis Fünfzigern Jahren.

Jetzt sollte man allerdings nicht den Fehler machen und das Sexualverhalten älterer Menschen mit denen jüngerer Paare zu vergleichen. Die Wechseljahre einer Frau führen häufig zu einer trockenen Scheidewand, der mit Hilfe von Gleitcremes etc. relativ einfach Abhilfe geschaffen werden kann. Die Erektion eines reifen Mannes erfordert meist mehr Stimulation, als bei einem jüngeren Geschlechtsgenossen. Auch wenn es etwas länger dauert, bis der Penis vollkommen errigiert ist, kann die eigentliche Kopulation – körperliche Eignung vorausgesetzt – länger dauern, da der Samenerguss ebenfalls verzögert ist. Leider empfinden viele Männer den Samenerguss bzw. Orgasmus als weniger intensiv.

Die Universität Leipzig hat in einer Langzeitstudie ermittelt, dass drei von vier Männern und Frauen im Alter zwischen sechzig und siebzig Jahren sexuell aktiv sind. Wahr ist aber auch, dass das sexuelle Verlangen sinken kann. In erster Linie sind körperliche Veränderungen und seelische Faktoren für eine schwindende Libido verantwortlich. Dazu zählen laut einer britischen Studie Krankheiten, Stress, sonstige Schwierigkeiten und vor allen Dingen eine problematische Beziehung zum Partner und die gemeinsame Unfähigkeit, über die eigenen Bedürfnisse zu reden und die des Gefährten als ebenbürtig anzunehmen.

Ein schönes Beispiel dafür belegt eine dreißigjährige Studie der Universität Göteborg, die in den Jahren von 1971 bis 2001 insgesamt 1500 Siebzigjährige bezüglich ihrer sexuellen Aktivitäten befragt hat. Zuletzt gaben 98 % der verheirateten Männer an, regelmäßig Sex zu haben. Interessanterweise sagte nur 56 % der Frauen das Gleiche. (Das macht in vielerlei Hinsicht nachdenklich – oder?). Von den unverheirateten Männern gaben 54 % zu, sexuell aktiv zu sein. Dagegen lag die Rate bei den ledigen Frauen bei 12 %. Ebenfalls interessant ist, dass es die Frauen waren, die größtenteils mit ihrem Sexualleben zufrieden waren. Der Anteil der Männer, die zugaben unter Potenzstörungen zu leiden, stieg ebenfalls signifikant an.

Wie in allen Altersstufen, können Potenzstörungen das Liebesleben und Selbstverständnis eines Mannes erheblich beeinträchtigen. Gerade die Einnahme von Medikamenten, Gefäß- oder Zuckerkrankheit können zu einer sogenannten erektilen Dysfunktion führen. Hier ist der Gang zum Facharzt dringend angeraten, denn der kann möglicherweise die Ursache behandeln oder aber ein entsprechendes Präparat zur Erektionsförderung verschreiben.

Pharmazeutische Potenzmittel sind in Deutschland grundsätzlich verschreibungspflichtig. Die bekanntesten sind die sogenannten PDE-5-Hemmer. Dazu zählen Viagra®, Levitra® oder auch Cialis®. Die darin enthaltenen Wirkstoffe Sildenafil, Vardenafil bzw. Tadalafil gibt es auch in Form von Generika. Dann reden wir über sogenannte Viagra Generika, Levitra Generika oder Cialis Generika. Dabei handelt es sich um sogenannte Nachahmer-Präparate, deren therapeutische Wirkung adäquat zu den Originalen sein muss, nur dann werden sie auf dem deutschen Markt zugelassen. Von den meisten Internet-Präparaten ist allerdings abzuraten. Hier ist weder der aufgedruckte Wirkstoff zwangsläufig enthalten, die Produktion unterliegt nicht den deutschen Standards und sonstige Nebenprodukte werden möglicherweise nicht aufgeführt. Zudem können die auftretenden Nebenwirkungen gravierender sein. Die medizinische Betreuung und Behandlung einer erektilen Dysfunktion ist der schnellste und sicherste Weg, wieder ungetrübte Freude an seiner eigenen Sexualität und an dem Akt selbst zu empfinden.

Fassen wir einmal zusammen: Ältere (ab 50 Jahre) und alte Menschen (Jahre = Ansichtssache) haben Sex und erfreuen sich daran. Dabei gehen sie offener damit um, als während der Mitte oder Ende des zwanzigsten Jahrhunderts. Schön wäre, wenn uns das auch gelingen würde.